Eine Perle am Atlantik
Wie kann man unspektakulär aus dem Alltag ausbrechen? Indem man für eine Weile an einem anderen Ort lebt, in einem anderen Land, einer anderen Stadt, mit anderen Menschen und dies, ohne den Kontinent zu verlassen. Schnell verschwindet nach der Rückkehr das Erlebte im Hintergrund, versinkt unter dem Deckel der Routine, die einen wieder hat, sobald man ihr den kleinen Finger reicht … Deshalb hier ein Rundgang, zu verstehen als Ausschnitt und Augenblick, wie er in den Monaten Mai bis Juli entstehen kann. Cádiz Spanien ist unterteilt in 17 Regionen bzw. 50 Provinzen. Cádiz liegt in der südlichen Region “Andalusien” und ist Provinzhauptstadt. Weitere Provinzen sind Almería, Córdoba, Granada, Huelva, Jaén, Málaga und Sevilla. Sevilla ist die Hauptstadt der Region Andalusien.Cádiz ist eine Perle am Atlantik. Gegründet 1104 v. Chr. von Phöniziern, mit einer Bevölkerung von 127´200 Einwohnern, ist die Halbinsel ein Ort von hoher Lebensqualität und unvergesslichem Charme (www.cadiz.es, laciudad.cadiz.es). Der Name Costa de la Luz (Küste des Lichts) bringt den Sonnenschein (beinahe zu jeder Tages- oder Jahreszeit) zum Ausdruck, der sich an kalkweissen Häusern, im goldenen Sand und im klaren Wasser reflektiert. Das lebendige, kraftvolle aber sanfte Licht wird der Reisende nach seiner Rückkehr wie einen Schatz im Herzen bewahren (http://www.andalucia.org/playas/costa-de-la-luz-cadiz).Wohnungen kann man auf www.idealista.es finden, wobei vorzugsweise Privatpersonen kontaktiert werden, da Verwaltungen unerreichbar sein können. Mehr als 3000 Jahre GeschichteIn der Casa del Obispo (Plaza Fray Félix) lernt der Besucher in einem didaktischen archäologischen Rundgang die Entwicklung der Stadt vom 8. Jh.v.Chr. - 18. Jh., phönizische, punische, römische und mittelalterliche Gebäude kennen (www.lacasadelobispo.com). Archäologie, Kunst (15.-20.Jh.) sowie Ethnografie und neue Kunst findet man im Museo de Cádiz (www.juntadeandalucia.es/cultura/museocadiz) an der Plaza de Mina und ganz in der Nähe, an der c/Rosario, Gemälde von Francisco de Goya im neoklassizistischen Gebäude Oratorio de la Santa Cueva. Joseph Haydn komponierte für das Oratorium “Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze” (www.youtube.com).Am 24. September 1493 trat Christoph Kolumbus in Cádiz seine zweite Entdeckungsreise an, am 11. Mai 1502 seine vierte.Die Verfassung von Cádiz aus dem Jahr 1812 war die erste schriftlich niedergelegte Verfassung die von Spaniern für Spanien erarbeitet und in Kraft gesetzt wurde. Sie war Vorbild für spätere spanische und ausländische Verfassungen. SprachschuleIn K2internacional an der Plaza del Mentidero lehrt Carlos Zapata mit Liebe, Witz und Bezügen zu Film- und Musikwelt ein Stück Spanien und verrät, was in welchen Situationen niemals (jamás) gesagt werden darf (www.k2internacional.com). Gadir im jüngeren Stadtteil bietet u.a. reine Grammatikkurse an (www.gadir.net, C/Pérgolas, 5. Apartado 31). Privatstunden zu günstigen Preisen und in angenehmer Atmosphäre bei Macarena Jimenez Quevedo an der Plaza del Palillero, Calle Novena 2. Essen und TrinkenZwischen ca. 14 - 17.30 Uhr wird weder gearbeitet noch eingekauft, sondern gegessen. Auswärts bieten sich Tapas oder einfache Dreigänger an. Empfehlenswert ist der Bobadillo, ein Weisswein aus Sanlúcar de Barrameda und ein tinto de verano (Wein mit Orangen- oder Zitronenlimonade) sowieso.SAN FRANCISCO UNO. Taberna - Restaurante. Plaza de San Francisco. Tel. 956 212 597.LOS PLATILLOS VOLANTES. Cafe - Bar. C/ San Francisco, 6EL SERRALLO. Bar. Plaza del Mentidero. Tel. 956 225 188.Frühstück: Cafetería Baro neben dem Hotel Playa Victoria (Glorieta Ingeniero La Cierva S/N). Hier gibt es leckere “croissants” mit exquisitem “jamón serrano” und weiteren Beilagen sowie einen grossen, weissen “manchado” (Milchkaffee). Im Samir an der Plaza del Mentidero trinkt man ihn für nur 1 Euro und es dürfen Süssspeisen aus der benachbarten deutschen Bäckerei PANaíso (nicht zu verwechseln: Tarta de amapolla / de ampola) verzehrt werden. Diese verkauft auch Sauerteigbrot. Kaffee und Wifi im Duo gibt es in La Prensa (Plaza de San Antonio) und im Café del Centro (Calle San José / Calle Ancha).Kunterbunter mercado an der Plaza de las Flores: Flüchtige Schnecken, Meerestiere und -früchte, Fleisch, Gemüse, Früchte (frische Feigen zu Tiefstpreisen), Textilien, etc. Ein Spektakel bis ca. 12.30.Die escuela de hosteleria (www.ehcadiz.com) bietet öffentliche Kurse an und vermittelt die Küche als einen Ort der fünf Sinne, wo Technik und Aesthetik die Natur in Kunstwerke verwandelt. Die Gruppe gaditanische Gastronomie (www.grupogastronomicogaditano.com) organisiert mit der Hotelerieschule im Sommer für die Unversität (www.uca.es) jeweils einen 5-tägigen Kurs. Hier holt sich Pilar neue Tipps und Tricks für ihren wunderbaren gastronomischen Blog tubal.blogspot.com. Wer online aktuelle, lokale Produkte kaufen will, tut dies über www.laalacena.net und lässt sich auf www.cosasdecomer.com inspirieren.Flüssig, kühl und nährstoffreich ist der gazpacho das ideale Nahrungsmittel im Sommer. Knoblauch, Brot, Tomate, Zwiebeln, Olivenöl, Essig und Salz sind die üblichen Zutaten. In orientalisch geprägten Provinzen Andalusiens (Málaga, Córdoba und Granada) ist der ajoblanco verbreitet. Die Grundzutaten werden mit zerriebenen Mandeln (anstelle von Tomaten) vermischt und mit Trauben, Rosinen oder Melonenstücken abgerundet.Gazpacho de sandía con jamón ibérico (4 Personen)1/2 Wassermelone1 rote Pepperoni 1 kleine Zwiebel3 Scheiben Brot3 reife Tomaten in Stücke schneiden3 EL Olivenöl (virgen extra), Essig (vinagre de jerez) zugeben, eine Nacht im Kühlschrank ziehen lassenmit dem Mixer zerkleinern, durch das Passiersieb lassen1/2 Liter Wasser zugeben–75g iberischer Schinken in lange Streifen schneiden, im Ofen 30 Min.bei 180 Grad knusprig backenKümmel (Pulver)Salz nochmals Olivenöl zugeben, würzen, mit dem Schinken garnieren BewegungIm Zentrum Tiptoes erteilen Marta und Montse Pilates-Stunden und achten auf eine ergonomische, nachhaltige Haltung (http://pilatescadiz.com).Ein Strandspaziergang bei Ebbe von der Playa Victoria bis zur Playa de Santa Maria ist besonders am Morgen (früh) oder bei Sonnengang ein Erlebnis. Rote, gebäudefreie Sonnenuntergänge geniesst man auf dem Castillo de Santa Catalina neben dem Stadtstrand Caleta bei leicht nebligem Himmel, im Sommer mit DJ und kulturellem Spektakel (Puestas de Sol Castillo de Santa Catalina). Ein Ausflug nach Puerto de Santa Maria lohnt sich dank der Rückfahrt bei Sonnenuntergang mit dem letzten Katamaran.Surfen im Kleinstadtgetümmel, neben Monumenten, Tauben und Palmen ist dank öffentlichem Wifi möglich an der Plaza de la Catedral, Plaza del Palillero, Plaza San Antonio (Cafe Prensa), etc.Das 10er-Abonnement für die Stadtbusse sucht man in Zeitschriftenläden oder Papeterien. Radfahren ist auf dem Trottoir möglich und Autofahren sollte möglichst vermieden werden. Occasionsfahrräder werden auf Fresszetteln beispielsweise in der Facultad de Filosofía y Letras (www.uca.es/centro/1C03) gegenüber dem Parque Genovés inseriert.Von der Torre Tavira (www.torretavira.com) aus geniesst man einen Rundblick über die Stadt. Die Projektion der Cámara Oscura zeigt wie bereits zu da Vincis Zeiten eine “bewegte Fotografie” und ermöglicht, Cádiz in 360 Grad zu erblicken. Die Kathedrale wurde von 1722 - 1838 (Barock, Rokokko, Neoklassik) gebaut. Auf Grund der Nähe zum Meer schützen Netze an der Decke den Besucher vor korrodierenden Steinen (www.torredeponiente.com).Cádiz hat eine Perle, die Peña La Perla de Flamenco (www.laperladecádiz.com) an der C/ Carlos Ollero, s/n. Das Gebäude ist äusserst unscheinbar, wartet aber mit faszinierendem Innenleben, mit anmutenden Tanz und kunstvoller Musik auf. Jeweils am Freitag ab 22h, wer einen Sitzplatz möchte, gesellt sich schon um 21.15 zu den Besuchern. Bezahlen muss man nur das Essen und Trinken.Neue Gebäude realisieren sich vorzugsweise mit dem Architekten-Team von Gumersindo Fernandez (http://gfarquitectos.com) in der Calle Ancha 8. Exursionen am WasserWer in Richtung Huelva fährt, kann von Sanlúcar de Barremeda aus mit dem Schiff auf dem Rio Guadalqivir den Nationalpark “Doñana” erkunden, der mit Stränden, Dünen, Pinienwäldern und Marschland aufwartet. Frühzeitig reservieren im Besucherzentrum in der alten Eisfabrik (fábrica de hielo) und im Mai warme Kleider einpacken. Wer den Park vorwiegend zu Fuss und umfassender erkunden möchte, nimmt eine längere Fahrt in Kauf und gelangt von Westen her in den Park (www.visitasdonana.com).Caños de Meca ist ein Geheimtipp: Strände und Buchten für Nacktbadende, Paare, (ehemalige oder ewige) Hippies und Individualisten. Baden vor unvergesslicher Kulisse (Felsen, Pinienwald, Agaven), inklusive Gratisschönheitspflege: Ein Spaziergang bei Ebbe, mit oder ohne Höschen führt zu den Lehmsteinen, wo sich in grünes Naturkleid einschmieren kann, wer die Haut reinigen will.Im Juni, wenn der Thunfisch vom Atlantik in Richtung Mittelmeer wandert, kann Zahara de los Atunes ein interessantes Ausflugsziel sein. Vom 4.-7. Juli 2009 fand der Wettbewerb der 1ª Ruta del Atún statt. 28 Lokale boten eine Tapa mit Thunfisch und ein Glas Bobadillo oder Bier für 3 Euros an (www.rutadelatun.com). Uns hat er in der Bodega La Botica geschmeckt (www.miraalsur.com/labotica).Bolonia ist empfehlenswert für seinen schönen Strand und die römische Stadt Baelo Claudia. Ende 2. Jh. v. Chr. entstanden, war sie als Handelshafen eng mit Tanger (Afrika) verbunden. Die Anlagen der Fischsalzung sowie Forum, Tempel, Curia, Markt, Theater, Thermen, Stadtmauern, Aquädukt etc. werden dem Besucher auf attraktive Weise näher gebracht (www.juntadeandalucia.es/cultura/baeloclaudia). In Tarifa, der Hochburg der Windsurfer, bieten verschiedene Organisationen Ausflüge mit dem Schiff an: In der Meerenge können Delfine und Walfische sowie der rege Verkehr der Tanker bestaunt werden (www.whalewatchtarifa.net). Grünweisse ExkursionenLos pueblos blancos, die kalkweissen Dörfer, locken ins Landesinnere. Im Naturpark der Korkeichen versteckt sich Benarrabá (Málaga). Einst eine strategische Festung, wurde das Dorf auf dem Monte Dorón von Arabern (vom Stamm Bereber de Banu Rabbah/Söhne des Rabbah) errichtet. Das Konzept des turismo rural beinhaltet Wandern und Ausruhen. Im Hotel Banü Rabbah können ganze Gruppen (Familie/Freunde) untergebracht werden (www.hbenarraba.es). El Bosque liegt am Eingang des Naturparks der Sierra de Grazalema, der regenreichsten Zone Spaniens. Hier gibt es eine 5km lange Wanderroute am Rio Majaceite (Rio El Bosque). Starten kann man bei der Forellenzucht, Ziel ist Benamahoma. Vejer de la Frontera mit seiner wunderschönen Plaza de España und dem Panorama ist wohl das schönste weisse Städtchen. ErinnerungsstückeEin Fächer (Solves an der Plaza Palillero, Cádiz), galleta Maria, manchego curado “Gran Capitán” (hipersol) oder chorizo könnten Freunde und Familie zu Hause erfreuen. Empfehlenswert ist ein Einkauf in den kleinen, oft versteckten Quartierläden. «La verdadera cultura no es nacionalista ni pertenece a ningún grupo. Cuando lleguéis a comprender esto, surgirá el auténtico espíritu de la fraternida humana.»KRISHNAMURTI, Perlas de Sabiduría


